Das hat Biss! Was man gegen Zähneknirschen tun kann

Montag 21. Sep. 2020 11:39

Fester zubeissen sollte man normalerweise nur beim Zahnarzt, wenn er Röntgenbilder der Backenzähne macht. Doch viele von uns leiden unter Zähneknirschen und beissen vor allem in der Nacht unsere Zähne so fest zusammen, dass es unseren Zähnen nachhaltig schadet.

Beim Zähneknirschen wirken unglaubliche Kräfte

Bruxismus klingt eher brutal – kann es auch sein. Das Fremdwort ist griechischer Herkunft und abgeleitet von «brygmos» was so viel wie Zähneknirschen bedeutet. In der Nacht pressen oder reiben Betroffene unbewusst ihre Zähne aufeinander. Dabei wirken kaum vorstellbare Kräfte auf die Zähne. Der Druck, der auf die Zähne beim Zähneknirschen wirken, kann bis zu mehreren hundert Kilogramm* betragen. Also ein Vielfaches, das beim normalen Kauen überhaupt nötig wäre. Da wir im Schlaf weniger schmerzempfindlich sind, halten wir das auch aus, weshalb Bruxismus vor allem nachts auftritt. Wenige haben einen solchen Biss tagsüber.

Bruxismus wird in der Zahnwissenschaft zu den sogenannten Parafunktionen gezählt. Parafunktionen sind Aktivitäten des Kausystems, die an keinen Zweck wie beispielsweise dem Zerkleinern von Nahrung gebunden sind. Weitere Beispiele für Parafunktionen sind Nägel- und Lippenkauen.

Wer alles knirscht mit den Zähnen?

Betroffen sind weite Bevölkerungsschichten jeden Alters. Besonders häufig tritt Zähneknirschen aber im jungen und mittleren Erwachsenenalter auf. Bei etwa 20 Prozent der Bevölkerung ist das Knirschen jedoch stärker ausgeprägt und es kann auf lange Sicht zu Schäden am Gebiss führen.

Kein Grund zur Sorge sind hingegen Geräusche, die Kinder machen, wenn ihre Milchzähne ausfallen und die neuen Zähne nachwachsen. Kinder müssen sozusagen ihr neues Gebiss richten, was nicht ganz lautlos ist. Nur sehr selten liegt bei Kindern Bruxismus vor.

Wie bemerkt man Zähneknirschen?

Morgendliche Spannungskopfschmerzen, Abgeschlagenheit, schlechter Schlaf, Nackenverspannungen, Kieferschmerzen wie Muskelkater im Kiefergelenk oder leichte Einschränkungen beim Mundöffnen sind die häufigsten Symptome. Andere klagen über diffuse Symptome wie Sehstörungen, Tinnitus und Schulterschmerzen. Da das Krankheitsbild vor allem durch solche Symptome nicht eindeutig ist, kann es teilweise länger dauern, bis die Diagnose Zähneknirschen gestellt ist.

Eindeutigere Hinweise auf Bruxismus-Verdacht ergeben sich, wenn sich ein Zahnarzt die Zähne anschaut. Denn durch das Knirschen und Pressen entstehen sichtbare Schäden am Zahnschmelz: Erkenntlich sind Abschleifspuren, die Zahnärzte auch Schlifffacetten oder Abrasionen nennen.

Der Zahnschmelz wird also beim Zähneknirschen abgetragen. Die Zähne werden dadurch sehr empfindlich. Dadurch, dass der Zahnschmelz abgetragen wird, sind die Zähne nicht mehr gut geschützt. Bruxismus ist daher auch ein erhöhtes Risiko für Kariesbefall. Ist das Zähneknirschen sehr stark ausgeprägt, können sich die Zähne sogar lockern. Im schlimmsten Fall können Zähne vertikal brechen.

Warum knirschen wir?

Die häufigste Ursache für das Zähneknirschen ist Stress. Wenn wir Stresshormone ausschütten, müssen wir diese Energie irgendwie bündeln und ablassen können. Und häufig pressen und knirschen wir dann mit den Zähnen, um den Stress zu kanalisieren. Ganz ähnlich wie beim Nägel- oder Lippenkauen.

Andere Ursachen, die klar von Stress getrennt werden und deshalb sauber abgeklärt werden müssen, sind Fehlstellungen des Kiefers und der Zähne. Ebenfalls können Zahnbehandlungen wie künstlich eingesetzte Kronen zu Fehlfunktionen des Kiefers führen. Unklar ist, ob Zähneknirschen eine genetische Ursache haben könnte. Auch als Ursachen wird der Konsum von Genussmitteln wie Alkohol oder Kaffee genannt, da diese die Nerven negativ beeinflussen und ebenfalls zu Stress führen können. Ebenso kann Bruxismus als Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten.

Wie wir wieder mehr Biss kriegen

Ein gesunder Schlaf und gesunde Zähne sind wichtig, damit wir uns im Alltag nicht mit Erschöpfung und mit Zahnschmerzen herumschlagen müssen, sondern mit Biss durchstarten können. Möchte man die Ursache bei der Wurzel packen, kommen wir in den meisten Fällen nicht darum herum, unseren Lebensstil anzupassen, um weniger Stress zu haben. Es gibt viele individuelle Wege, dies zu meistern. Entspannungsübungen sind eine Möglichkeit.

Eine Umstellung des Lebensstils ist nicht immer einfach. Deshalb entscheiden sich viele Knirscher dafür, eine vom Zahnarzt massgeschneiderte Aufbissschiene, auch Beissschiene oder Knirschschiene genannt, in der Nacht zu tragen. Diese eignet sich auch, wenn die Ursache eben nicht im emotionalen Stress liegt.

Die Schienen sind ca. einen Millimeter dick und werden jeweils für die obere und untere Zahnreihe angefertigt. So reiben und pressen die Zähne beim Zähneknirschen nicht mehr direkt aufeinander. Das schützt den Zahnschmelz und macht die Zähne weniger empfindlich. Zudem sorgen die Schienen dafür, dass die Kräfte gleichmässiger auf die Zähne verteilt werden. In wenigen Fällen kommt es auch vor, dass die Schienen erst recht dazu verleiten, zu knirschen. Dann helfen tatsächlich nur noch Massnahmen zur Stressreduktion.

Wichtig zu beachten ist, dass durch eine Schiene der Kontakt vom Speichel zum Zahn vermindert wird. Dadurch ist auch die natürliche Remineralisation des Zahnschmelzes behindert. Daher sind zusätzliche Zahnpflegeprodukte zur Remineralisierung empfohlen.

*Druck wird wissenschaftlich in der SI-Einheit Pascal (Pa) angegeben, als eine Kraft, die auf eine bestimmte Fläche wirkt (N / m2) – aber damit es einfacher vorzustellen ist, sprechen wir hier von Kilogramm.