Wie sich unsere Vorfahren ihre Zähne putzten

Mittwoch 16. Dez. 2020 18:05

Die Geschichte der Zahnpflege unserer Vorfahren ist wohl eine Geschichte von Zahnschmerzen, Mundgeruch und Karies. Auch wenn unsere Ahnen unter schlechten Zähnen leiden mussten, hat ihre Kreativität dazu beigetragen, dass wir heute gesunde Zähne haben und wir mit unseren eigenen Beisserchen alt werden dürfen.

Zahnpflege so alt wie die Menschheit

Wann genau die ersten Untersuchungen von Menschen unternommen wurden, sich die Zähne zu reinigen, kann nur vermutet werden. Knapp zwei Millionen Jahre alte Knochenfunde aus Tansania belegen die Verwendung von Zahnstochern. Bei Ausgrabungen in Ägypten hat man Kauhölzer aus 3000 v. Chr. gefunden.

Der Prophet Mohammed hatte angeblich ebenfalls so seine Zahnreinigung vorgenommen. Auf den Wurzeln des sogenannten Zahnbürstenbaumes kaute er so lange herum, bis die Enden ausfransten und ein Pinsel entstand, mit dem man weiter seine Zähne reinigen konnte. Naturvölker putzen sich heute noch auf diese Weise ihre Zähne.

Von faulen und weissen Zähnen

Doch reichte diese Zahnpflege aus, um vor Karies zu schützen? Sicherlich nicht immer, aber man muss berücksichtigen, dass sich die Ernährung unserer Ahnen etwas anders gestaltete. Sie assen noch nicht so viel Zucker und Speisen mit anderen Kohlenhydraten, von welchen sich Bakterien ernähren – zumindest bis vor der Steinzeit, wie neuste Forschungen zeigen. Und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts konnte Zucker nicht massenhaft hergestellt werden und blieb ein Luxusgut für die Oberschichten.

Doch die Entwicklung der Zahnpflegeprodukte konnte mit dem Zuckerkonsum erst nicht Schritt halten. Mundgeruch und faule Zähne gehörten wohl zum Alltag dazu und sind ein Grund dafür, dass Adelige auf Portraits mit geschlossenen Mündern dargestellt sind. Heute hingegen zeigt man gerne seine weissen, strahlenden Zähne.

Karies erwünscht

Heute will niemand mehr Karies haben. Diese Krankheit wurde aber sogar einmal als Zeichen des Wohlstandes angesehen, weil Zucker lange als Luxusgut gegolten hatte. Wer reich war, schmückte sich im alten Ägypten und in der Neuzeit im Absolutismus mit Zuckerspeisen und mit sich somit stärker verbreitenden Karies. Angeblich waren die Fächer nicht nur dazu da, um bei Hitze etwas für Abkühlung zu sorgen, sondern zusätzlich dafür, um den eigenen Mundgeruch weg zu wedeln.

Von Schweinborsten und Zahnpulver

Im 15. Jahrhundert wurde in China eine erste Zahnbürste entwickelt. Die Halterung bestand aus Bambus oder Knochen und die Bürste aus Schweineborsten – allerdings in Pinselform und nicht in Bürstenform. Auf die Schweinborsten schmierte man sich ein Gemisch aus zerriebenen Knochen, Natron, Muschelkalk, Asche, Salz, Ammoniak oder Bims mit ätherischen Ölen zusammen – eine doch eher kratzige und geschmacklich fragwürdige Angelegenheit.

Um das Ganze für den Gaumen erträglich zu machen, mischte man beispielsweise in England im 14. Und 15. Jahrhundert noch Honig bei. Die Zahnpulver und -salze wurden in Dosen oder Papiertüten in Apotheken verkauft. Oder man putzte sich die Zähne weiterhin mit Zahnstochern hergestellt aus Federkielen, Stachelschwein-Stacheln oder Metall.

Die Zahnpasta in der Tube

1850 erfand der Amerikaner Washington W. Sheffield die Zahnpasta durch Zugabe von Glycerin. Der Inhaltsstoff ist ein Feuchthaltemittel und sorgt dafür, dass Zahnpasten weich und geschmeidig bleiben. Daher handelte es sich eher um eine Zahncreme, denn um eine Zahnpasta. Erst mit weiteren Zusätzen entwickelte sich aus der Creme immer mehr eine Paste.

1873 verkaufte Colgate die ersten massengefertigten Zahnpasten – erst noch in Glas, zwanzig Jahre später schliesslich in Tuben, wie wir es heute kennen. Die karieshemmende Wirkung von Fluorid war ebenfalls schon im 19. Jahrhundert bekannt. Nach mehreren Versuchen, Fluorid in die Tube zu bringen, kamen nach dem zweiten Weltkrieg fluoridierte Zahnpasten auf den Markt.

Die Zahnbürste erreicht Europa

Inspirierte Kaufleute brachten die Idee der Zahnbürste aus China nach Europa. Da hier die Schweinehaare als zu hart empfunden wurden, wechselte man auf Pferdehaar. Christoph von Hellwig aus Deutschland stellte damit um das Jahr 1700 die erste Zahnbürste her. Die Bürste war jedoch viel zu weich. Zwar hatte man kein Zahnfleischbluten mehr, aber gereinigt haben diese Bürsten auch nicht richtig.

1780 versuchte der britische Unternehmer William Addis Zahnbürsten aus Kuhknochen und Kuhhaaren massenhaft zu produzieren. Jedoch war die Produktion noch zu teuer, als dass sich die breite Masse diese Zahnbürsten hätte leisten können. Doch mit den teuren Zahnbürsten war auch den Oberschichten nicht geholfen: Sie eigneten sich nur schlecht dafür, wirklich alle Stellen im Gebiss zu erreichen.

Von Tierhaaren zu Nylon

1938 erfand der Amerikaner Wallace Hume Carothers den Kunststoff Nylon. Dies bedeutete auch ein grosser Schritt in der Massenherstellung von Zahnbürsten. Es war nun möglich, den Bürstenkopf mit Nylonfäden zu bestücken, anstatt mit Tierhaaren. Zudem sind Nylonbürsten hygienischer als Tierhaarbürsten. Jedoch waren die Nylonbürsten viel zu hart und schadeten dem Zahnfleisch. In den 1950ern kamen weiche Nylonbürsten auf den Markt.

Die erste elektrische Zahnbürste

Das erste Modell einer elektrischen Zahnbürste wurde – zuerst viel zu teuer und für den Alltag untauglich – 1880 von Dr. Scott erfunden. Hinderlich für einen Durchbruch von elektrischen Zahnbürsten war ausserdem, dass die wenigsten Haushalte Stromanschlüsse hatten.

Erfinder der modernen elektrischen Zahnbürste, die eben nicht einfach nur elektrisch funktioniert, sondern bei dem der Bürstenkopf mitvibriert, ist der Schweizer Philippe-Guy Woog.

Sein Gerät «Broxodent» erfand er 1954 und brachte es zuerst in der Schweiz und danach in den USA auf den Markt. Woogs elektrische Zahnbürste bildete das Vorbild aller danach weiterentwickelten elektrischen Zahnbürsten. Es dauerte aber noch bis in die 1980er Jahre, bis sich Vorurteile gegenüber der elektrischen Zahnbürste abbauten und die Modelle auch technisch gegenüber der manuellen Zahnbürste in der Zahnpflege tatsächlich Vorteile brachten.