Zahnspangen: Zähne in Schieflage

Dienstag 6. Okt. 2020 13:03

Wir wünschen uns weisse, aber vor allem auch gerade Zähne. Deshalb sind die meisten Einsätze von Zahnspangen ästhetischer Natur. Nicht immer ist es aber für die Zähne gesund, sich wegen nicht ganz perfekter Zähne eine Zahnspange einsetzen zu lassen.

Warum haben wir schiefe Zähne?

Manchmal braucht man einfach etwas Glück und die «richtigen» Gene, damit die Zähne gerade wachsen und auch gerade bleiben. Andererseits haben Kleinkinder und Kinder Angewohnheiten, die zu Zahnverschiebungen führen können. Beispielsweise führen das Daumenlutschen oder das Pressen der Zunge gegen die Schneidezähne zu einer Fehlstellung der oberen Zahnreihe.

Wenn Eltern diese Angewohnheiten früh genug erkennen und spielerisch diese wieder abgewöhnen, ist später eine Behandlung mit einer Zahnspange oft gar nicht mehr nötig. Das spart nicht nur Nerven, Schmerzen und Zeit, sondern auch Geld.

Kosten von Zahnspangen

Je nach Stärke der Fehlstellung und Art der Zahnspange können die Kosten rasch in die Höhe schnellen und sich auf mehrere tausend Franken beziffern. Krankenkassen übernehmen die Kosten für Zahnspangen ganz oder teilweise nur bei gesundheitlich nötigen Zahnkorrekturen. Informieren Sie sich also vorher, unter welchen Umständen die Kosten übernommen werden und vergleichen Sie die Zusatzversicherungen genau.

Wann ist eine Zahnspange nötig - wann nicht?

Mehrheitlich lassen wir uns bereits bei geringfügigen, aber medizinisch bedenkenlosen Fehlstellungen eine Zahnspange einsetzen. Unter Umständen kann sich so das eigene Wohlbefinden verbessern. In einigen Fällen sind es hingegen gesundheitlich kritische Zahnfehlstellungen, die eine Zahnspange nötig machen.

Die Zähne können zu eng beieinanderstehen, die untere Zähne die oberen Zähne teilweise (Kreuzbiss) oder ganz (Unterbiss) überlappen oder umgekehrt (Oberbiss). Fehlstellungen können nicht nur das Putzen erschweren und somit das Risiko für Karies erhöhen, sondern auch zu körperlichen Beschwerden wie Kieferschmerzen oder Tinnitus, zu Atembeschwerden und Schwierigkeiten beim Sprechen führen. Auch kann die obere Zahnreihe stark hervortreten, so dass das Risiko, sich beim Hinfallen diese auszuschlagen, sehr hoch ist.

Doch nicht alle Fehlstellungen sind derart extrem, dass sie sofort kieferorthopädisch in jungen Jahren behandelt werden müssen. Es gibt keine Beweise, dass frühes Eingreifen besser ist, als wenn bei Bedarf die Zähne erst im Erwachsenenalter korrigiert werden.

Nachteile von Zahnspangen

Insbesondere bei leichten Fehlstellungen und Zahnkorrekturen soll individuell abgeklärt werden, ob eine Zahnspange wirklich nötig ist. Denn auch Zahnspangen können Nebenwirkungen haben. Dazu gehören Zahnfleischentzündungen, erhöhtes Risiko von Karies und empfindliche Zähne.

Insbesondere bei herausnehmbaren Zahnschienen wird der Speichelfluss gehemmt und somit die natürliche Remineralisation. Der Zahnschmelz kann nicht richtig aufgebaut werden, wodurch das Risiko für Karies und empfindliche Zähne erhöht ist. Bei festen Zahnspangen und Retainern ist die Zahnhygiene erschwert, da es schwierig ist, bei den Klebepunkten sauber zu putzen. Ebenfalls können Schäden am Zahnschmelz nach dem Herausnehmen der Spange entstehen und ebenfalls zu empfindlichen Zähnen führen.

Zahnspangen können auch schmerzen. In den ersten paar Tagen nach dem Einsetzen ist es normal, wenn man beispielsweise ein Ziehen spürt. Halten die Schmerzen aber länger an oder werden heftiger und lösen gar Kopfschmerzen aus, muss die Zahnspange angepasst werden.

Verschiedene Arten von Zahnspangen

Es gibt unterschiedliche Techniken, wie die Zahnspangen an den Zahn gebracht werden kann. Welche die richtige ist, klärt man bei seinem Zahnarzt in einem Beratungsgespräch ab. Die Zahnspangen unterscheiden sich vor allem im Komfort für den Betroffenen und punkto Sichtbarkeit. Besonders bei ästhetischen Korrekturen sollte deshalb darauf geachtet werden, welche Zahnspange am besten zum eigenen individuellen Alltag und Lebensstil passen.

Die Knallige: Die sichtbare Variante ist wohl diejenige, welche die meisten von uns kennen. Sogenannte «Bracktes», kleine Knöpfe aus Metall, Keramik oder Kunststoff, werden mit einem Draht miteinander verbunden und aussen am Zahn befestigt. Dabei sind verschiedene Farben der Zahnspangen-Gummis wählbar. Bei Kindern und Jugendlichen kommt diese sichtbare Zahnspange häufig zum Einsatz, da sie die günstigste Variante ist. Nach dem Herausnehmen wird ein sogenannter Retainer eingesetzt. Das ist ein Metalldraht, der hinten bei den Zähnen befestigt wird, damit die Zähne auch ohne Spange in Stellung bleiben.

Die Unsichtbare: Diese Variante der Zahnspange ist von aussen nicht sichtbar. Die teurere undurchsichtige Variante wünschen sich vor allem Erwachsene. Es gibt drei Varianten der unsichtbaren Spange: Die Lingualtechnik, bei der die Brackets mit dem Draht an der Innenseite der Zähne befestigt werden. Dann Invisalign, herausnehmbare Schienen, auch Responderschienen oder Aligner genannt, die über die Zähne gelegt werden.

Und schliesslich Keramikbrackets. Statt dass Zahnspangen-Gummis eingesetzt werden, wird der Draht an zahnfarbenen oder durchsichtigen Keramikplättchen befestigt. Jedoch sind die Keramikbrackets brüchiger und sie können sich durch zum Beispiel Gewürze, Alkohol, Koffein, Teein und Kakao verfärben.

Die Herausnehmbare: Neben der Invisalign gibt es noch weitere herausnehmbare Zahnspangen, die sich vor allem bei leichteren Fehlstellungen eignen. Dabei handelt es sich um zwei Kunststoffplatten mit Drahtvorrichtungen individuell angepasst auf den Ober- und Unterkiefer. Jede Zahnspange ist also ein Unikat. Oft hat die Spange auch Schrauben, wodurch man die Platten selbst nach ärztlicher Anleitung anpassen kann. Vorteil der herausnehmbaren Spange ist, dass man ohne Probleme die Zähne putzen und sie bei sportlichen Aktivitäten entfernen kann.

Nachteile sind Schwierigkeiten beim Sprechen sowie hohe Disziplin: Wenn die Spange nicht genau nach Vorschrift getragen wird, ist die Mühe für nichts. Diese Zahnspangen werden auch Nachtspangen genannt, wobei die Bezeichnung trügerisch sein kann. Oft muss sie tagsüber auch noch getragen werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten.

Für starke Fehlstellungen: Bei extremeren Fehlstellungen des Gebisses, vor allem bei starkem Über- oder Unterbiss sowie Kreuzbiss kommt bei Kindern der sogenannte Headgear zum Einsatz. Was zunächst cool klingt, kann für Kinder ein wahrer Albtraum sein. Die Vorrichtung besteht aus mit der Zahnspange verbundenen Drähte und einem Headgearbogen. Die Vorrichtung tragen Kinder meistens nachts.